Persönliche oder förmliche Ansprache

| 23. Mai 2013 | 0 Comments

Du oder Sie?

Wie sprechen Sie einen Fremden an? Möglicherweise lautet Ihre Antwort: „Es kommt darauf an“. Über die Anrede stellen wir einen persönlichen Kontakt her. Sie verdeutlicht: Respekt, Vertraulichkeit und Distanz.

Die Anrede fällt unterschiedlich aus, je nach Alter, gesellschaftlicher Stellung, geografischem Gebiet oder Beziehung der angeredeten Personen. Generell bietet der Ranghöhere das Du an. Bei gleichem Rang geht die Initiative vom Älteren aus. Für die Berufspraxis übersetzt: Die junge Führungskraft darf dem älteren Mitarbeiter die vertrauliche Anrede anbieten, jedoch nicht der ältere Mitarbeiter dem Vorgesetzten.

Knigge Online schreibt: Nach allgemeiner Auffassung  haben volljährige Personen ein Recht darauf mit Sie angesprochen zu werden. Siezt man einen Fremden im Berufs- und Privatleben nun am besten immer zuerst? Auch die Eltern des neuen Partners? „Die Etikette ist eindeutig, aber die Alltagssprache ist es nicht“, sagt Führungskräftetrainerin Carolin Lüdemann. Sie ist Mitglied im Deutschen Kniggerat. Im Berufsleben empfiehlt es sich das Du erst nach sorgfältiger Prüfung anzubieten oder anzunehmen. Möchten Sie ein Du ausschlagen, sollten Sie das gut begründen. Zum Beispiel mit der Firmenkultur oder damit, dass sich alle im Projektteam siezen. Denn – wie Sie vielleicht selbst einmal erlebt haben – meint auch Kniggetrainerin Carolin Lüdemann:  „Ein einmal angebotenes Du lässt sich nicht zurückziehen“.

Es gibt Branchen, wie die Medien und IT, wo hauptsächlich geduzt wird. Möglicherweise kennen Sie auch das Gewerkschafts-Du, das Minderheiten-Du oder das Du der 68er-Bewegung. Bei Banken und Versicherungen siezt man überwiegend. Grundsätzlich können Sie sich in neuer Umgebung an den Gepflogenheiten der Kollegen orientieren. Und akzeptieren Sie, dass das einmal angebotene Du Ihres Chefs in Weihnachtsfeierlaune, keine Gültigkeit mehr hat, wenn er Sie am nächsten Arbeitstag wieder siezt.

Andere Länder, andere Sitten

Beachtet werden sollte auch die Etikette anderer Länder. Wenn Sie sich mit einem Japaner unterhalten, sollten Sie „-san“ für Herr/Frau dem Namen nachstellen. Sonst gelten Sie als sehr unhöflich. Zudem gibt es im japanischen viele weitere Anreden, zum Beispiel „-sama“ vergleichbar mit verehrte/r, das von einem Angestellten gegenüber dem Kunden verwendet wird. In Österreich ist für eine gesittete Ansprache der akademische oder Ämtertitel in der Anrede Pflicht. In Deutschland verzichten wir üblicherweise auf „Frau Magister“ und beschränken uns auf „Herr Doktor“.  Ist der „Herr Doktor“ auch Professor, lassen wir den Doktor herunterfallen und begrüßen ihn lediglich mit „Herr Professor“. Im mündlichen Sprachgebrauch fallen auch „med.“ und „Ing.“ weg.

Das englische „you“ wird zwar mit du übersetzt, ist jedoch nicht gleichbedeutend. Die Höflichkeit wird zwischen den Zeilen im Gespräch ausgedrückt. Und wie ist es mit dem „Herr Doktor“, wenn Sie mit Ihrem Gegenüber englisch sprechen? In Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Anrede „Doctor“ bei Nicht-Medizinern unüblich. In beruflichen Situationen jedoch, sprechen sich die Träger der akademischen Doktortitel – wie Ph.D, Sc.D und J.D. (Jura) – in der USA auch untereinander mit „Doctor + Name“ an. In Commonwealth Staaten wird diese Ansprache auch allgemein benutzt. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie beim Erstkontakt den Doktortitel verwenden. Im weiteren Gespräch werden Sie den Titel jedoch üblicherweise weglassen.

Zurück zum Du oder Sie

Sind Sie Führungskraft, ist es ratsam sich einen Verhaltenskodex zu schaffen. Die Kriterien, warum Sie einen Mitarbeiter duzen oder siezen, sollten verständlich sein. Machen Sie diese transparent. Sonst entsteht Interpretationsraum unter Ihren Mitarbeitern. Das Betriebsklima oder die Motivation könnten getrübt werden. Zudem fällt es psychisch viel schwerer jemanden zu kündigen, den man duzt. Der Abstand durch das Sie, bewahrt auch davor im Beruf zu privat zu werden.

Mehr Informationen unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anrede

http://en.wikipedia.org/wiki/Forms_of_address

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-03/duzen-siezen-job

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Category: Artikel

About Caroline Deinert: Kommunikationsspezialist und Systemischer Business Coach. Ich begleite Menschen als Impulsgeber für Verändungsprozesse. Seit 2013 Inhaber Deinert Kommunikation. Mein regelmäßiger Podcast: KomPod - das Fruchtfilet der Kommunikation View author profile.

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