Bessere Zusammenarbeit durch Rituale

| 24. September 2013 | 0 Comments

4,8 Prozent – diese Zahl bedeutet Abschied. Jedenfalls bei der Wahl 2013 (#btw13), für die FDP aus dem Bundestag. Der gesamte Bundesvorstand trat zurück, meldete der Focus. Auch andere Parteien mit Stimmeinbußen ziehen ihre Konsequenzen: 22 Spitzenpolitiker der Grünen kündigen ihren Rücktritt an.  Da fragt man sich: Ist das bereits die Lösung? Wird so eine Veränderung in den jeweiligen Parteien ausreichend eingeleitet? Sicherlich würde etwas diesen Organisationen bei ihrer Veränderung helfen: Rituale. Was Rituale heutzutage sind und wofür sie auch Sie unterstützen, ist im Folgenden kurz beschrieben.

Was?

Rituale gib es in zahlreichen Kontexten. Sie werden von vielen Völker und sozialen Gemeinschaften genutzt. In manchen Abteilungen gibt es z.B. das alltägliche Ritual, dass sich alle morgens  persönlich mit einem Handschlag begrüßen. Rituale können aber auch die bedeutenden Phasen von Entwicklungen markieren, wie beispielsweise das Richtfest der neuen Lagerhalle oder die Weihnachtsfeier als Abschluss eines arbeitsreichen Jahres.

Rituale sind symbolische Handlungen, die primär aus der Symbolkraft und nicht aufgrund ihrer Handlung an sich bestehen.

Wofür?

Begleitung von Übergängen

Durch eine abteilungsinterne Feier können die Mitarbeiter einen Kollegen ihre Wünsche für den Ruhestand mitgeben. Sie verabschieden einen Kollegen, der das Unternehmen verlässt oder seine Aufgabe innerhalb der Organisation verändert.

Stützen einer sozialen Ordnung, Fördern von Stabilität in der Gruppe

Der neue Chef kann mit einem gemeinsamen Workshop und einem persönlichen Geschenk offiziell willkommen geheißen werden. Es ist auch eine gute Möglichkeit, um ein Projektteam zu formieren und die Aufgaben zu verteilen. Für jede Verantwortlichkeit wird ein symbolischer Gegenstand offiziell ausgehändigt.

Ein Abteilungsleiter nimmt einen Stein vom Isarflussbett mit. Er legt ihn gut sichtbar auf seinen Schreibtisch. Mit Blick auf den Stein verankert er und erinnert sich, dass er seinen Aktionismus in Problemsituationen und unter Zeitdruck unterbindet. Er wendet zukünftig in diesen Situationen die Stein-Strategie an (nicht-bewegen; Politik des Aussitzens / Angela Merkel).

Schaffen von sicheren Orten und Motivation

Ein Wanderpokal wird herumgereicht oder der beste Mitarbeiter des Monats erhält ein Leihfahrzeug über das Wochenende für seine besondere Leistung. Der Firmeninhaber stellt sich in einer herausfordernden Zeit immer montags vor seine Belegschaft und spricht die aktuellen Schwierigkeiten des Unternehmens offen an. Jeden ersten Freitag im Monat trifft sich ein Projektleiter mit seiner Fachgruppe zum Weißwurstessen und Austausch.

Nachholen früher versäumter Bearbeitung von Übergängen in Beziehungen

Hier wird durch das Ritual Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpft. Z. B. Kaminaufstieg: Ein Kollege wird Chef. Diese Führungskraft kommt in ihrer neuen Funktion plötzlich nicht mehr mit den Mitarbeitern zurecht. Konflikte sind an der Tagesordnung. In Begleitung eines Coaches erkennt die Führungskraft, dass ein meinungsführender Mitarbeiter ebenfalls Ambitionen auf die Stelle hatte. Durch stetige, wertschätzende Kommunikation und die offizielle Übertragung der Verantwortung für ein wichtiges Projekt durch die Führungskraft und ihren Vorgesetzten vor der gesamten Abteilung, gelingt es ihr das Vertrauen des Mitarbeiters zugewinnen.

Wie?

6 wesentliche Aspekte des Rituals (nach Roy A. Rappaport)

  1. Wiederholung –  nicht nur Handlung, sondern auch hinsichtlich Inhalt und Form
  2. Tun – nicht nur etwas sagen oder denken, sondern auch etwas tun
  3. besonderes Verhalten und die Stilisierung – Verhalten und Symbole werden von ihrer gewöhnlichen Verwendung abgehoben
  4. Ordnung – Anfang, Ende und ein Rahmen für Spontanität
  5. sinnträchtiger Präsentationsstil – Inszenierung und Fokussierung, dadurch entsteht ein aufmerksamer Bewusstseinszustand
  6. kollektive Dimension – die soziale Bedeutung erzeugt

Beachten Sie: Rituale stützen sich auf Symbole und symbolische Handlungen. Die Vorbereitung und gemeinsame Entwicklung der Zeremonie ist ein wesentlicher Bestandteil des Rituals. In diesem Sinne  wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg beim Wiederaufleben lassen von Ritualen in Ihrem Bereich!

Ihre Caroline Deinert

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Category: Artikel

About Caroline Deinert: Kommunikationsspezialist und Systemischer Business Coach. Ich begleite Menschen als Impulsgeber für Verändungsprozesse. Seit 2013 Inhaber Deinert Kommunikation. Mein regelmäßiger Podcast: KomPod - das Fruchtfilet der Kommunikation View author profile.

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